Konzept der vertiefenden Berufsorientierung an der RGH Lunden

Ausgangslage/Problembeschreibung/Zielgruppe:

Wie unschwer vorstellbar, werden durch Regelschulmaßnahmen einerseits und Unterstützung durch das JAW auf der anderen Seite der pädagogischen Bandbreite im Prinzip zwei Gruppen der Beschulten unterstützt: Der Personenkreis der zukunftsorientierten Schüler und die Gruppe der scheinbar oder auch tatsächlich Perspektivlosen. 

Eine nennenswerte Anzahl von Jugendlichen in den Vorabgangsklassen fallen daher quasi durch das „Unterstützungsnetz“. Für Sonderpädagogische Maßnahmen sind sie nicht auffällig genug - für den regulären Schulbetrieb mit erforderlicher Eigeninitiative und sozialer Kompetenz schlicht überfordert.

Die Gründe hierfür sind vielschichtig und reichen von allgemein mangelhaftem Interesse für das weitere Leben, über Kommunikationsstörungen bis hin zu Wahrnehmungsdefiziten der eigenen Person und Lebenssituation. Die Ursachenerklärung für ein derart passives und zukunftsverneinendes Verhalten der Beschulten würde den Rahmen eines Konzeptes zur beruflichen Orientierung bei weitem verlassen. Festzuhalten bleibt lediglich, dass eine nicht geringe Anzahl von Personen mit den derzeitigen Angeboten nicht mehr erreicht werden kann.

Um auch diesen Schülern ein Angebot für die berufliche Orientierung anbieten zu können, ist intensive schulische Betreuung notwendig, die den bisher geleisteten Rahmen deutlich übersteigt.

Den vorstehenden Ausgangsüberlegungen gefolgt, ergibt sich folgende Schlussfolgerung:

In Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit wird die RGH Lunden einen Kurs „vertiefende Berufsorientierung“ mit der Bündelung der Kräfte: Fachlehrer, Schulsozialarbeiter, Offene Ganztagsschule und weitere Dienstleister anbieten.

 

 

Grobzielformulierung:

In Anerkennung der oben ausgeführten Ausgangslage werden für den einzurichtenden Kurs folgende Grobziele benannt:

 

  • Bei den teilnehmenden Personen wird das Problembewusstsein entwickelt, dass ein Leben nach der Schule, mit oder ohne Schulabschluss, stattfindet.
  • Wünsche / Ziele und Vorstellungen für das weitere Leben werden formuliert.
  • Die Teilnehmer werden in die Lage versetzt, eigene Wünsche und Begehren mit den Realitäten des beruflichen Alltags in Einklang zu bringen.
  • Die Teilnehmer lernen bestehende Hilfsangebote (BIZ, Bundesagentur für Arbeit, Internet usw.), selbstständig und zielgerichtet zu nutzen.
  • Die Teilnehmer entwickeln eine auf Berufswunsch und eigene Fähigkeiten abgestimmte Bewerbungsstrategie.
  • Es wird versucht, bei den Teilnehmenden eine erhöhte Frustationstoleranz
    (z.B. bei Absagen auf Bewerbungen) zu erzeugen.

 

 

Die Kursteilnehmer sollen folgende Themenschwerpunkte bearbeiten:

Für die Umsetzung der obigen Zielformulierung soll der Kurs in folgende Lerneinheiten zerlegt werden:

  1. Feststellung des eigenen „Ist-Standes“ : Wer bin ich jetzt, was finde ich gut - was will ich in einem Jahr machen oder sein?
  2. Was oder wer bin ich in der nahen und mittelfristigen Zukunft
    („in 2 Jahren“ – „in 5 Jahren“) werde ich das gut finden?
  3. Klärung der eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse in Relation zu Punkt 2)
  4. Wie gehe ich mit Ablehnung meiner Fähigkeiten um ?
  5. Aufklärung über das angestrebte/erträumte Berufsbild und die tatsächliche Ausbildungssituation.
  6. Erste Einblicke in die alltägliche Arbeitswelt durch Betriebsbesichtigungen, Schnupperpraktika und weiteres.
  7. Theoretische Unterweisung mit praktischen Übungen zur Bewerbungsstrategie.
  8. Kenntnis und Nutzung der verschiedenen externen Leistungsanbieter und Medien (BIZ, JAW, Internet).

 

 

Methoden / konkrete Schritte:
Zur Durchführung der oben benannten Themenschwerpunkte werden folgende Methoden und Schritte eingesetzt:

 

1)     Portfolioarbeit vom erstem Tag an, um ein nachvollziehbares Ergebnis zu erzielen.

2)     Aufsatzarbeiten (evtl. in Form eines anonymen Tagebuches) um Überlegungen der Gruppe deutlich zu machen.

3)     Audio Aufnahmen der eigenen Stimme um Aussprache und Atmung zu erläutern und zu trainieren.

4)     Spiele, wie z.B. „Spiel des Lebens“ oder „Wer wird Millionär“ u.ä. um Verlieren zu lernen.

5)     Internet - Übungen: Wo finde ich Adressen außerhalb von „ICQ“ oder „Schüler VZ“?

6)     Wie stelle ich mich dar?

7)     Videoaufnahmen zum fiktiven Bewerbungsgespräch mit anschließender Analyse in der Gruppe.

 

 

Praktische Übungen:

Die praktischen Übungen umfassen folgende Bereiche:

  • Kommunikation (Selbstdarstellung, freie Rede)
  • Erstellung von vollständigen Bewerbungsunterlagen (vom Passbild bis zum Lebenslauf)
  • Vorbereitung für das Vorstellungsgespräch (Recherche über den Arbeitgeber)
  • Betriebsbesichtigung und „Schnupperpraktika“
  • Erstellung einer kompletten Bewerbung für einen real existierenden Ausbildungsplatz, der den eigenen Neigungen entspricht – mit fiktivem Vorstellungsgespräch in der Gruppe.

 

 

Organisationsstruktur:

Die vertiefende Berufsorientierung wird organisatorisch in das Angebot der OGS Lunden eingebunden. Leistungsträger ist daher der Förderverein OGS; Verträge, Leistungsanträge usw. werden über diesen abgewickelt.

Die inhaltliche Durchführung des Kurses obliegt dem Schulsozialarbeiter in Zusammenarbeit mit dem entsprechenden Fachlehrer (WiPo) für die Thematik und gegebenenfalls dem jeweiligen Klassenlehrer.

Angestrebt wird ein 2-Stunden-Kurs pro Woche mit höchstens 10 Teilnehmern. Die Auswahl der jeweiligen Teilnehmer erfolgt durch die oben benannten Personen unter Beteiligung der Bundesagentur für Arbeit.

Inwiefern Eltern mit in die Kurse eingebunden werden (z.B. Vorstellung eines Berufsbildes), muss im Einzelfall entschieden werden.

Der Struktur der OGS entsprechend erfolgt die Teilnahme generell auf freiwilliger Basis, allerdings analog zu einer AG mit einer Teilnahmeverpflichtung für jeweils ein Schulhalbjahr.

Die Teilnahme an dem Kurs wird im Zeugnis vermerkt, darüber hinaus wird eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt, welche die Schüler z.B. ihrer späteren Bewerbung als Anlage beifügen können. 

Von der Erhebung einer Teilnahmegebühr wird abgesehen.

 

 

Kostenplan:

Neben Sachmitteln, die in der Höhe aber vernachlässigt werden können, bzw. auch durch die Kursteilnehmer getragen werden könnten, treten Personalkosten für die Durchführung des Kurses auf.

Die Kosten orientieren sich am tatsächlichem Bruttoentgelt des Sozialarbeiters und werden in der beigefügten Aufstellung dezidiert und auf die Laufzeit der Vereinbarung hochgerechnet benannt.

Die Bundesagentur für Arbeit trägt laut Vorgespräch vom 12.01.2009 in den Räumen der RGH 50% der entstehenden Kosten der Maßnahme. Die verbleibende Hälfte der Personalkosten wird aus dem regulärem Stundenkontingent des Schulsozialarbeiters der RGH gestellt. Folglich entstehen für die Durchführung der Maßnahme keine zusätzlichen Personalkosten. 

 

 

Sachmittel / Erforderliche technische und räumliche Ausstattung:

Im Rahmen des Kurses sollen die Teilnehmer eine „Bewerbungsmappe“ erstellen, in der Abläufe, Schemata, Leistungsträger und persönliche Verhaltenshinweise (evtl. auch in Form von Videodokumentationen von Rollenspielen) verzeichnet sind.

Als technische Ausstattung ist ein Raum mit internetfähigen PC, Software für Videobearbeitung sowie eine digitale Videokamera mit Stativ erforderlich, letztere müsste noch angeschafft werden.

Die Kurse werden in den vorhandenen Räumlichkeiten der RGH Lunden durchgeführt.

 

 

Dokumentation

Als Verwendungsnachweis für die Fördergelder der Bundesagentur für Arbeit ist eine Dokumentation über die Maßnahme erforderlich, die folgende Angaben enthält:

  • Liste der teilnehmenden Schüler mit Angabe von Name und Klasse
  • Aufstellung mit folgenden Daten: Name, Geburtsdatum, Berufswahlentscheidung und Verbleib bzw. Perspektive nach Beendigung der Regelschule (für die Arbeitsagentur Heide nach Beendigung der Maßnahme)

 

Copyright: Detlef Neuenfeldt; RGH Lunden; Januar 2009. Kein Nachdruck, auch Auszugsweise, ohne ausdrückliche Genehmigung des Autors!